Wittgenstein (Schloss)

Das Schloss Witt­gen­stein liegt zwi­schen Lahn und Laas­phe­bach ober­halb der Stadt Bad Laas­phe in Nord­rhein-West­fa­len auf einem 470 m hohen Berg.

Geschichte

Eine Burg an die­ser Stel­le wird 1187 erst­mals als Widenk­in­dig­stein“ urkund­lich erwähnt. Zuvor hat­te sich 1174 ein Graf Wer­ner I. nach der Burg genannt (Wer­ner I. von Bat­ten­berg und Witt­gen­stein), die damals also exis­tiert haben muss. Für eine älte­re Grün­dung gibt es zur­zeit kei­ne Bele­ge; viel­leicht wur­de die Burg um die Mit­te des 12. Jahr­hun­derts von einem Mit­glied des Gra­fen­hau­ses von Reichenbach/​Ziegenhain ange­legt und gelang­te etwas spä­ter in die Hän­de von Graf Wer­ner I., der sie zum Auf­bau einer eigen­stän­di­gen Herr­schaft nutzte.

Im Jah­re 1190 schloss Graf Wer­ner I. einen Ver­trag mit dem Erz­bi­schof von Mainz, Kon­rad I. von Wit­tels­bach, dem­ge­mäß er dem Erz­stift gegen eine Geld­zah­lung die Burg Witt­gen­stein auf­zu­tra­gen ver­sprach und sie von die­sem als Lehen zurück­er­hal­ten soll­te. Der Erz­bi­schof blieb jedoch einen Teil der Zah­lung schul­dig, sodass der Ver­trag nicht in Kraft trat und Wer­ner sich schon nach eini­gen Jah­ren wie­der aus der damit ver­bun­de­nen Abhän­gig­keit von Mainz befrei­en konn­te. Erst in einem Ver­trag mit Wer­ners Söh­nen Wer­ner II., Wide­kind I. und Her­mann vom 2. Sep­tem­ber 1223 gelang es dem neu­en Erz­bi­schof Sieg­fried II., die Auf­tra­gung der Burg Witt­gen­stein an das Erz­stift zu erlan­gen und sie ihnen zu Lehen zu geben.

Im Jahr 1238 folg­te die Tei­lung des Hau­ses Witt­gen­stein und Bat­ten­berg in eine Bat­ten­ber­ger und eine Witt­gen­stei­ner Linie durch die Söh­ne Wide­kinds I. Die Burg Witt­gen­stein kam mit der zuge­hö­ri­gen Herr­schaft an den Ober­läu­fen von Lahn und Eder an Sieg­fried I., der sich nun­mehr Graf von Witt­gen­stein nann­te. Die Burg bil­de­te von nun ab über Jahr­hun­der­te das Zen­trum einer nach ihr benann­ten Graf­schaft Witt­gen­stein. Wenig spä­ter wur­de unter­halb der Burg die Stadt Laas­phe gegründet.

Mit dem Aus­ster­ben der Gra­fen von Witt­gen­stein im Man­nes­stamm 1359 fiel die Graf­schaft mit der Burg an das Haus Sayn-Witt­gen­stein. Wäh­rend des Drei­ßig­jäh­ri­gen Kriegs wur­de das Schloss 1634 besetzt und erheb­lich beschä­digt, wur­de jedoch wie­der instand gesetzt. Bis 1950 dien­te es als Wohn­sitz der Fürs­ten zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein.

Nach­dem die Fürs­ten in das Her­ren­haus Schwar­zen­au umge­zo­gen waren, grün­de­te Josef Käm­mer­ling 1954 ein Inter­nat mit einer Kna­ben­re­al­schu­le. Fünf Jah­re spä­ter kam das Gym­na­si­um dazu. Erst seit 1974 wer­den auch Mäd­chen in das Inter­nat auf­ge­nom­men, eben­so kön­nen seit 1974 exter­ne Schü­ler und Schü­le­rin­nen die Real­schu­le und das Gym­na­si­um Schloss Witt­gen­stein besuchen.

Inzwi­schen wur­den vie­le Zim­mer zu Klas­sen­räu­men umge­baut und es fin­det regu­lä­rer Schul­un­ter­richt statt. Für die Ver­sor­gung der Ganz­tags­schü­ler wur­den die bestehen­de Inter­nats­kü­che und der Spei­se­saal 2009 reno­viert. Im März 2010 wur­de ein Teil des Films Dschun­gel­kind“ am Schloss gedreht.

Baubeschreibung

Die unre­gel­mä­ßi­ge Drei­flü­gel­an­la­ge des Schlos­ses erstreckt sich über eine Län­ge von unge­fähr 125 Meter. Die Anla­ge wur­de in meh­re­ren Bau­ab­schnit­ten errich­tet und weist kei­nen ein­heit­li­chen Bau­stil auf. Über­wie­gend ist das Gebäu­de der Renais­sance und dem Barock zuzurechnen.

Der Nord­flü­gel (oder Mit­tel­bau) des Schlos­ses stammt aus dem Ende des 16. Jahr­hun­derts. In sei­nem West­teil wur­den die Grund­mau­ern eines qua­dra­ti­schen Turms aus­ge­gra­ben, wobei anzu­neh­men ist, dass die­ser der ursprüng­li­chen Burg aus dem 12. Jahr­hun­dert zuzu­ord­nen ist.

An den bei­den Sei­ten des Nord­flü­gels sind der West­flü­gel (oder Küchen­flü­gel) und der Ost­flü­gel (Kam­mer­flü­gel) zu fin­den. Die­se waren ursprüng­lich selb­stän­di­ge Gebäu­de, wur­den aber Anfang des 18. Jahr­hun­derts mit dem Nord­flü­gel ver­bun­den. Der mar­kan­te vier­ge­schos­si­ge Pavil­lon am Ost­flü­gel wur­de 1783 erbaut.

Der Mar­stall des Schlos­ses stammt aus dem Jahr 1736, die übri­gen Wirt­schafts­ge­bäu­de sind jün­ge­ren Datums.

Wenig bekannt ist, dass das Schloss auf einem Fel­sen erbaut ist, der für die Namens­ge­bung der Regi­on Witt­gen­stein Bedeu­tung hat. Der Widukind“-Felsen ragt auch heu­te noch unbe­han­delt und roh in einen der Glas­gän­ge hin­ein, die den inne­ren Rosen­gar­ten“ umschlie­ßen. Inner­halb des Schlos­ses befand sich bis 2003 das fürst­li­che Archiv, das his­to­ri­sche Doku­men­te aus den ver­gan­ge­nen Jahr­hun­der­ten ver­wahrt, vor allem ab dem 17. Jahr­hun­dert. Die­ses Archiv wur­de nach dem Ver­kauf des Schlos­ses in die Rent­kam­mer unter­halb des Schlos­ses ver­legt[7].

Es gibt Ver­mu­tun­gen, dass ein Flucht­tun­nel zwi­schen dem Schloss und der städ­ti­schen Kir­che exis­tiert. Die­ser wur­de bis­her jedoch nicht gefunden.

Kapelle

Die Kapel­le St. Katha­ri­na des Schloss Witt­gen­steins wur­de erst­mals im Jahr 1325 erwähnt. Bis 1632 dien­te sie als Hof­kir­che, seit etwa 1740 war sie für öffent­li­che Got­tes­diens­te freigegeben.

Im Jahr 1859 erfolg­te eine Reno­vie­rung, bei wel­cher eine neue Orgel ein­ge­baut wur­de. Die Kan­zel wur­de 1954 der Kapel­le Hes­sel­bach über­reicht; die Orgel ging im Jahr 1956 an die Kir­che Obern­dorf. Die Kapel­le wur­de bis 1954 für kirch­li­che Zwe­cke genutzt.

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