Ludwigseck

Lud­wigs­eck ist eine Sied­lung und ein gleich­na­mi­ger Stra­ßen­na­me im Orts­teil Ben­fe der Gemein­de Erndte­brück in Nordrhein-Westfalen.

Geschichte

1467 belehn­te Graf Georg von Witt­gen­stein zwei Män­ner mit Dorf und Wüs­tung Hackenbracht.

In der ältes­ten Kir­chen­rech­nung von Erndte­brück wur­de 1553 ein Hof­mann zu Hacken­bracht genannt. Hacken­bracht wird heu­te dem Raum Lud­wigs­eck zuge­ord­net. Im Jahr 1607 wur­de erst­mals der Schnei­de­mül­ler“, ein Säge­werk im Bereich des heu­ti­gen Orts­teils Lud­wigs­eck, urkund­lich belegt. In den Jah­ren 1613 bis 1621 erfolg­te der wei­te­re Aus­bau des Hofes Hacken­bracht. Um 1619 wur­de der gräf­li­che Pacht­hof erst­mals nach dem Lan­des­herrn, Lud­wig dem Jün­ge­ren, Lud­wigs­eck genannt.

Soge­nann­te Hof­män­ner ver­wal­te­ten den Pacht­hof im Auf­trag der gräf­li­chen Regie­rung. 1682 fand der gräf­li­che Pacht­hof Lud­wigs­eck wegen sei­ner gro­ßen Vieh­hal­tung urkund­li­che Erwäh­nung. Lud­wigs­eck war vor allem auch wegen sei­ner Nut­zung als Jagd­haus bei den Gra­fen zu Witt­gen­stein geschätzt; der Hof war zudem idea­le Zwi­schen­sta­ti­on der rei­sen­den Herrschaften.

1699 wur­den der Hof Lud­wigs­eck und die Schnei­de­müh­le an den Hüt­ten­fak­tor J. Rein­hard Roll­wa­gen, den Ver­wal­ter der Glas­hüt­te im obe­ren Lahn­tal, ver­pach­tet. 1704 erfolg­te die Pacht­er­neue­rung des gro­ßen Eisen­ham­mers für J.R. Roll­wa­gen. Die Grün­dung der bei­den Eisen­häm­mer zu Lud­wigs­eck gab ver­mut­lich den Impuls zur Besied­lung des obe­ren Ben­feta­les. Holz­koh­le zum Betrieb der bei­den Häm­mer wur­de benö­tigt. Die ers­ten Köh­ler sie­del­ten sich an; 1713 fand mit Johann Jost Hip­pen­stiel der ers­te Ben­fer Sied­ler urkund­li­che Erwäh­nung. Im glei­chen Jahr wur­de der Ham­mer­schmied Johan­nes Schür­mann als Päch­ter von Lud­wigs­eck genannt. Der ers­te Schür­manns­hof wur­de von ihm spä­ter erbaut. 1739 brann­te der klei­ne Eisen­ham­mer in Lud­wigs­eck mit einem, der gro­ße Ham­mer mit zwei Feu­ern. Ab 1744 fan­den die Lud­wigs­ecker Häm­mer kei­ne Erwäh­nung mehr, weil sie unren­ta­bel gewor­den waren. Der Gebäu­de­be­stand in Lud­wigs­eck war im 18. Jahr­hun­dert nicht uner­heb­lich: Am 11. Sep­tem­ber 1745 ver­pach­te­te Graf Fried­rich dem Schwei­zer Men­no­ni­ten David Eck­hard und sei­nem Mit­päch­ter Chris­ti­an Ewigs­mann den Hof Lud­wigs­eck für 8 Jah­re. Zur Pacht gehör­ten das Wohn- und Vieh­haus und zwei Scheu­nen. Aus­ge­nom­men von der Pacht waren das herr­schaft­li­che Wohn­haus samt Kel­ler, Küche und Pfer­de­stall, die Schnei­de­müh­le, das Jäger­haus und das auf dem Wei­her­damm ste­hen­de Ham­mer­haus. 1753 ließ Graf Fried­rich ein neu­es herr­schaft­li­ches Wohn­haus in Lud­wigs­eck errich­ten. Es hat dort kei­nen lan­gen Bestand gehabt, denn bereits im Jah­re 1787 wur­de es auf Befehl sei­nes Soh­nes Johann Lud­wig wie­der abge­bro­chen und danach in Schwar­zen­au aufgestellt.

Etwa 1760 wur­de das ers­te Kanon­gut (Frank) in Lud­wigs­eck gebaut. Ein­deu­ti­ger ist die Grün­dung des zwei­ten Kanon­gu­tes, des Wied­schen Hofes, durch den vor­han­de­nen Kanon­brief vom 26. Janu­ar 1785 belegt.

Lud­wigs­eck blieb noch bis 1854 Pacht­hof. 1819 gehör­te Lud­wigs­eck zum Schult­hei­ßen­be­zirk Erndte­brück. Hier stan­den vier Häu­ser, es leb­ten dort 43 Ein­woh­ner (32 ev. ref., 11 Men­no­ni­ten). Danach ist die Bevöl­ke­rung in Lud­wigs­eck im Wesent­li­chen rück­läu­fig. Um 1900 fan­den nur noch neun Ein­woh­ner Erwäh­nung. Hier­bei dürf­te es sich nur noch um die Bewoh­ner der bei­den Höfe sowie des Forst­hau­ses Lud­wigs­eck gehan­delt haben. Lud­wigs­eck gehör­te im Amt Erndte­brück zur Gemein­de Ben­fe. Das Leben in Lud­wigs­eck ver­lief wie­der in beschau­li­che­ren Bah­nen, die Zeit der gro­ßen Ver­än­de­run­gen im mitt­le­ren Ben­fe­tal war zunächst ein­mal vor­bei. Sie begann erst wie­der mit der neu­en Sied­lungs­ge­schich­te in der zwei­ten Hälf­te des 20. Jahrhunderts.

Anlass der neuen Siedlung

Die­se letz­te bemer­kens­wer­te Sied­lungs­ge­schich­te von Lud­wigs­eck hat­te ihren Ursprung in der Ver­trei­bung und Aus­wei­sung von Men­schen aus den deut­schen Ostgebieten.

Die Ausgangssituation in Benfe und Ludwigseck

Die Ver­trei­bung aus der alten Hei­mat im Osten führ­te zwangs­läu­fig zu einer enor­men Bevöl­ke­rungs­ver­schie­bung nach Wes­ten. Eine Auf­nah­me in die bevöl­ke­rungs­star­ken Indus­trie­zen­tren war fast unmög­lich, da neben den Fabri­ken auch ein Groß­teil der Woh­nun­gen zer­stört war. Die Ver­trie­be­nen waren daher in den Jah­ren 1945/​46 im Wege der Auf­nah­me über­wie­gend in land­wirt­schaft­lich gepräg­te Gebie­te gelenkt wor­den; hier­zu war auch Witt­gen­stein zu zäh­len. Auch auf dem Lan­de in Witt­gen­stein herrsch­te noch gro­ße Woh­nungs­not, in vie­len Häu­sern waren wegen des Luft­krie­ges eva­ku­ier­te Fami­li­en von Rhein und Ruhr untergebracht.

Die gro­ße Anzahl neu hin­zu­kom­men­der Flücht­lin­ge und Ver­trie­be­ner aus den deut­schen Ost­ge­bie­ten bewirk­te eine wei­te­re Ver­knap­pung des Wohn­rau­mes. Die Bevöl­ke­rung Witt­gen­steins wuchs erheb­lich. Die Neu­an­kömm­lin­ge wur­den zunächst eini­ger­ma­ßen gleich­mä­ßig auf alle Witt­gen­stei­ner Dör­fer ver­teilt. Auch in Ben­fe und Lud­wigs­eck nahm die Bevöl­ke­rung durch Zuwei­sun­gen ganz erheb­lich zu. Der Bau klei­ner Behelfs­hei­me in Ben­fe und Lud­wigs­eck lin­der­te die Woh­nungs­not nur uner­heb­lich. Mit der Zunah­me der Bevöl­ke­rung wur­de der vor­han­de­ne Wohn­raum immer knap­per. So muss­te auch in Ben­fe wie in ande­ren Orten eine Woh­nungs­kom­mis­si­on” ein­ge­rich­tet wer­den, die für eine sach­ge­rech­te Ver­tei­lung der Neu­an­kömm­lin­ge im Dorf zustän­dig war.

Der Zustrom neu­er Ein­woh­ner bewirk­te auch, dass in der Zeit vom 10. Novem­ber 1947 bis zum 30. Novem­ber 1953 ins­ge­samt 100 Per­so­nen, (Ein­hei­mi­sche, Flücht­lin­ge und Ver­trie­be­ne) das Dorf wie­der verließen.

Das Ein­woh­ner­mel­de­amt in Erndte­brück erwähnt in einem Ein­woh­ner­zah­len­ver­gleich für die Gemein­de Ben­fe fol­gen­de Zuwäch­se, wobei die Bezeich­nun­gen wört­lich über­nom­men werden:

Stich­tagEin­hei­mi­scheFlücht­lin­geGesamt­zahl
11. Okto­ber 194722054 Flücht­lin­ge (19 %)274
1. April 195323960 Ost­ver­trie­be­ne (20,06 %)299
31. Mai 1956265157 Ver­trie­be­ne pp. (37,2 %)422

Der pro­zen­tua­le Anteil der Ver­trie­be­nen in Ben­fe wuchs wei­ter und ver­dop­pel­te sich fast inner­halb von neun Jahren.

Der Anteil von 37,2 % Ver­trie­be­nen am 31. Mai 1956 indi­ziert, dass man bereits neu­en Wohn­raum geschaf­fen hat­te, denn die­se Zuwäch­se wären kaum in den weni­gen Ben­fer Häu­sern zu ver­kraf­ten gewesen.

Siedlungsmotor Deutsche Bauernsiedlung

Mit dem Gesetz über die Durch­füh­rung der Boden­re­form und Sied­lung in Nord­rhein-West­fa­len“ vom 16. Mai 1949 bezweck­te man die Schaf­fung neu­en Sied­lungs­rau­mes durch Ver­kauf oder Ent­eig­nung grö­ße­rer Land­flä­chen. In Witt­gen­stein waren als Groß­grund­be­sit­zer die bei­den Fürs­ten­häu­ser in Ber­le­burg und Laas­phe von die­sem Gesetz betroffen.

Die dama­li­ge eng­li­sche Besat­zungs­macht hat­te mit Hil­fe von deut­schen Kriegs­ge­fan­ge­nen auch im Raum Ben­fe gro­ße Fich­ten­alt­be­stän­de abge­holzt. Dies begüns­tig­te die Ent­schei­dung zur Land­ab­ga­be. Die fürst­li­che Ver­wal­tung in Laas­phe ver­kauf­te einen Teil die­ser brach­lie­gen­den Flä­chen an den Trä­ger des staat­lich geför­der­ten Sied­lungs­vor­ha­bens, die Deut­sche Bau­ern­sied­lung GmbH in Düs­sel­dorf. Die­ses als gemein­nüt­zig gel­ten­de Sied­lungs­un­ter­neh­men hat­te im dama­li­gen Kreis Witt­gen­stein den Auf­trag zum Bau von zwei Sied­lun­gen erhal­ten. Rös­pe und Lud­wigs­eck wur­den als Stand­or­te der bei­den Sied­lun­gen ausgesucht.

Die­se Sied­lun­gen wur­den bewusst für land­wirt­schaft­li­che Neben­er­werbs­stel­len ein­ge­rich­tet, um ehe­ma­li­gen Land­wir­ten aus deut­schen Ost­ge­bie­ten eine Exis­tenz­grund­la­ge zu bieten.

Das Siedlungskonzept für Ludwigseck

Wann die kon­kre­ten Pla­nun­gen für die Sied­lung in Lud­wigs­eck began­nen, lässt sich nicht mehr fest­stel­len. Es ist jedoch zu ver­mu­ten, dass sie ähn­lich wie in Rös­pe ab Anfang 1952 begannen.

Für Lud­wigs­eck wur­den zehn Dop­pel­häu­ser vor­ge­se­hen, ins­ge­samt soll­ten also 20 Sied­ler­stel­len geschaf­fen wer­den. Die Grund­stücks­grö­ße der Sied­ler­stel­len war unter­schied­lich, die Flä­chen reich­ten von zwei Mor­gen bis zu 2,5 Hekt­ar. Alle Sied­ler­stel­len waren für einen land­wirt­schaft­li­chen Neben­er­werb kon­zi­piert. Die Über­las­sung der Sied­ler­stel­le wur­de vom Besitz eines soge­nann­ten Sied­ler­eig­nungs­schei­nes” abhän­gig gemacht. Hier­für konn­ten sich ehe­ma­li­ge Land­wir­te aus den deut­schen Ost­ge­bie­ten bewer­ben. Die Lud­wigs­ecker Neu­sied­ler zogen aus umlie­gen­den Ort­schaf­ten Witt­gen­steins wie Raum­land, Sas­sen­hau­sen, Wem­lig­hau­sen und Rich­stein, wo sie eine ers­te Blei­be gefun­den hat­ten, zu ihrem neu­en Hof. Der Bezug der Häu­ser begann bereits im Sep­tem­ber 1953, also deut­lich vor den Rösper Siedlern.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: