Alertshausen

Höhe:437 m
Flä­che:4,47 km²
Ein­woh­ner:253 (31. Aug. 2021)
Bevöl­ke­rungs­dich­te:57 Einwohner/​km²
Ein­ge­mein­dung:1. Janu­ar 1975
Post­leit­zahl:57319
Vor­wahl:02750
Sta­tis­ti­sche Angaben

Alerts­hau­sen ist ein Orts­teil von Bad Ber­le­burg im Kreis Sie­gen-Witt­gen­stein in Nord­rhein-West­fa­len. Der Ort gehört seit der Gebiets­re­form im Jah­re 1975 zum Stadt­be­reich Bad Ber­le­burg und war bis zur Ein­ge­mein­dung eine selb­stän­di­ge Gemein­de des Amtes Arfeld im dama­li­gen Kreis Wittgenstein.

Geografie

Alerts­hau­sen liegt im süd­öst­li­chen Teil des Bun­des­lan­des Nord­rhein-West­fa­len im öst­li­chen Teil des Witt­gen­stei­ner Lan­des, in unmit­tel­ba­rer Nähe zur hes­si­schen Gren­ze. Durch den Ort führt die Land­stra­ße 877. Im Ort gibt es 20 Brü­cken. Die höchs­te Erhe­bung ist die Hohe War­te.

Auf dem Gebiet waren drei Müh­len aktiv. Die Obe­re und die Unte­re Müh­le, sowie eine Säge­müh­le die zur Ver­ar­bei­tung des hei­mi­schen Hol­zes diente.

Alerts­hau­sen liegt am Elsoffbach.

Geschichte

Die Anfänge

Der geschicht­li­che Rück­blick geht bis in das 8. Jahr­hun­dert zurück. Zu die­ser Zeit, unter der Regent­schaft Karls des Gro­ßen, fand die eigent­li­che Besied­lung des Witt­gen­stei­ner Lan­des statt. Das Volk der Fran­ken beherrsch­te den süd­li­chen Teil des heu­ti­gen Deutsch­lands. Der nörd­li­che Teil wur­de von den Sach­sen geprägt. Fran­ken und Sach­sen waren direk­te Kon­kur­ren­ten im Macht­ge­bil­de jener Zeit. Absicht der Fran­ken war, den Hes­sen­gau gegen krie­ge­ri­sche Ein­brü­che der Sach­sen zu schüt­zen. Die­se Strei­tig­kei­ten gip­fel­ten in den von 772804 geführ­ten Sach­sen­krie­gen. Im Jah­re 778 fand in der Nähe der hes­si­schen Ort­schaft Lai­sa eine Schlacht zwi­schen den bei­den Riva­len statt. 1747 wur­den 1000-jäh­ri­ge Mün­zen in Alerts­hau­sen gefun­den. Es ist anzu­neh­men, dass die­se Mün­zen von durch­zie­hen­den Trup­pen auf dem Marsch ver­lo­ren gegan­gen sind. Ob in die­ser Zeit schon eine dau­er­haf­te Besied­lung in Alerts­hau­sen statt­ge­fun­den hat, kann nicht genau gesagt wer­den. Nach der völ­li­gen Unter­wer­fung der Sach­sen folg­te die plan­mä­ßi­ge Besied­lung des heu­ti­gen Witt­gen­steins sowie des Elsoff­tals. Gesi­cher­te Doku­men­te der Besied­lung fin­den sich erst wie­der in der Erst­be­le­gungs­ur­kun­de aus dem Jah­re 1059.

Der adli­ge Grund­herr ‑Buobo von Elsoff- voll­zog in die­sem Jah­re die Abspal­tung von der raum­län­di­schen Mut­ter­kir­che. Um in Elsoff die Mes­se, Tau­fe und die Für­bit­te der Ver­stor­be­nen abhal­ten zu dür­fen, über­trug er der Kir­che zu Raum­land einen Teil sei­ner Län­de­rei­en. In der dazu­ge­hö­ren­den Urkun­de tau­chen die Ort­schaf­ten Schwar­zen­au, Bed­del­hau­sen, Elsoff und Alerts­hau­sen auf. Eben­falls fin­den sich die im 14. Jahr­hun­dert wüst gewor­de­nen Dör­fer Gos­pers­hau­sen, Brei­ten­del­le, Rui­hena und Lei­ne­fa wieder.

Erstbelegung

Die Erst­be­le­gung von Alerts­hau­sen fällt in die Regie­rungs­zeit von Hein­rich IV. Aus einer Urkun­de (Nach­zeich­nung) des Witt­gen­stei­ner Archivs aus dem 18. Jahr­hun­dert geht her­vor, dass der adli­ge Buobo von Elsoff, Über­lie­fe­run­gen zufol­ge ein aus dem Hau­se Hol­len­de (Kr. Mar­burg) stam­men­der Grund­be­sit­zer in Elsoff auf dem Scheid“ gewe­sen war und im Jah­re 1059 die Abspal­tung von der Mut­ter­kir­che durchführte.

Das kirch­li­che Leben war abhän­gig von der Mut­ter­kir­che in Raum­land (Rum­lan­dun). Um sich aber von der Mut­ter­kir­che abkap­seln zu kön­nen und in der Kir­che zu Elsoff die Mes­se, Tau­fe und auch die Für­bit­te der Ver­stor­be­nen abhal­ten zu dür­fen, über­trug Bue­bo der Kir­che zu Raum­land einen Teil sei­ner Län­de­rei­en, die er unter Erz­bi­schof Luobold des Bis­tums Mainz erhal­ten hat­te. Die­se Grund­herr­schaft dehn­te sich über meh­re­re Ort­schaf­ten aus: Schwar­zen­au, Bed­del­hau­sen, Elsoff und Alerts­hau­sen. Dane­ben befan­den sich noch Gos­pers­hau­sen, Brei­den­del­le, Rui­hena und Lei­ne­fa. Wann und war­um die drei letzt­ge­nann­ten Orte wüst gewor­den sind, ist nicht fest­stell­bar; ver­mut­lich in der gro­ßen Wüs­tungs­pe­ri­ode des 14. Jahrhunderts.

Alerts­hau­sen, wel­ches sich am äuße­ren Rand des Herr­schafts­be­rei­ches des oben genann­ten Buobo befand, wur­de durch die Herr­schaft des Rit­ter­ge­schlechts von Diedens­hau­sen beein­flusst, das erst­mals 1194 urkund­lich erwähnt wird. Die Burg des Rit­ter­ge­schlechts wird ver­mu­tet, wo heu­te die Kapel­le steht. Bei Reno­vie­rungs­ar­bei­ten sind Mau­er­res­te aus jener Zeit gefun­den wor­den. Die Rit­ter waren hes­si­sche Burg­man­nen zu Bat­ten­berg wie auch kur­köl­ni­sche Burg­man­nen zu Hal­len­berg. Die Aus­deh­nung des Grund­be­sit­zes war weit ver­streut. Grund­be­sitz im Eder­tal sowie im witt­gen­stei­nisch-hes­si­schen Grenz­be­reich und im Elsoff­tal. Dazu gehör­te auch Besitz im Bereich von Alertshausen.

Im Aus­gang des 14. Jahr­hun­derts star­ben die Rit­ter von Diedens­hau­sen aus. Das Erbe ging 1394/​1395 an das Geschlecht von Vier­mün­den. Von die­sen ging der Besitz wei­ter an die Geschlech­ter von Dersch, von Win­ter und Graf­schaft. Diedens­häu­ser Besitz in Alerts­hau­sen ist im Güter­ver­zeich­nis Hai­na (Klos­ter) in der Zeit um 1250 ver­zeich­net. Dar­in heißt es: Amel­bert von Bat­ten­berg (Bat­ten­burg) ver­tausch­te dem Klos­ter Hai­na eine Hufe zu Mohn­hau­sen (Man­hu­sen) gegen eine ande­re in Alerts­hau­sen (Aldol­ves­hu­sen), die Gode­bert d. Ä. von Diedens­hau­sen (Dedils­hu­sen) dem Klos­ter über­tra­gen hatte.“

Wei­te­re Urkun­den (Staats­ar­chiv Darm­stadt) füh­ren zum 8. Sep­tem­ber 1394, als Ger­lach von Diedens­hau­sen zur Til­gung von Schul­den meh­re­re Besit­zun­gen und Rech­te an die Rit­ter von Vier­mün­den abtritt. Unter ande­ren auch ein Gut zu Alertshausen.

Das mittelalterliche Dorf

Im Jah­re 1194 wird erst­mals die Vog­tei Elsoff erwähnt. Alerts­hau­sen ist Teil der Vog­tei und somit unab­hän­gig von den witt­gen­stei­ner Gra­fen. Nach der Selb­stän­dig­keit der witt­gen­stei­ner Gra­fen im Jah­re 1238 wur­de ca. 1250 auf dem Berg Hohe War­te eine bur­g­ähn­li­che Befes­ti­gungs­an­la­ge errich­tet. Die­se stell­te eine ein­deu­ti­ge Grenz­mar­kie­rung zwi­schen Bat­ten­berg und Witt­gen­stein dar. Eine Burg im klas­si­schen Sin­ne ist die­se Anla­ge nicht gewe­sen. Rück­füh­rend auf die Bezeich­nung Hohe Wart­he“ ist davon aus­zu­ge­hen, dass es sich eher um einen Beob­ach­tungs­turm mit einer Wall­an­la­ge gehan­delt hat. Über­res­te der Anla­ge sind Anfang des 20. Jahr­hun­derts zum Brü­cken­bau ver­wen­det worden.

Das Dorf als Teil der Vogtei Elsoff

Die erst­ma­li­ge urkund­li­che Bele­gung der Vog­tei ist auf das Jahr 1194 durch den Erz­bi­schof Kon­rad von Mainz zurück­zu­füh­ren. Der Erz­bi­schof über­trug die Vog­tei­ge­walt – also die Aus­übung der Ver­wal­tung und Gerichts­bar­keit – den Gra­fen Wide­kind und sei­nem Bru­der Volk­win von Naum­burg (Kr. Wolf­ha­gen). Als Zeu­gen wer­den Graf Wer­ner von Witt­gen­stein, Gott­fried von Hatz­feld und Gode­bert von Diedens­hau­sen genannt. Auf­grund ver­wandt­schaft­li­cher Bezie­hun­gen zwi­schen den Gra­fen von Naum­burg und dem in der Erst­be­le­gungs­ur­kun­de von Alerts­hau­sen auf­tau­chen­den Buobo, der wie­der­um mit den Gra­fen von Hol­len­de (Kr. Mar­burg) ver­wandt war, kann die Vog­tei schon nach 1059 zum kur­main­zi­schen Besitz gehört haben.

Im Jah­re 1276 star­ben die Gra­fen von Naum­burg aus. 1428 ist Graf Johann von Witt­gen­stein Besit­zer der Vog­tei. Wer in der Zwi­schen­zeit die Herr­schaft über die Vog­tei hat­te, kann nicht ein­deu­tig gesagt werden.

1464 über­nimmt die Land­graf­schaft von Hes­sen das main­zi­sche Amt Bat­ten­berg. Die Ver­wal­tung des Amtes über­nahm auf Wei­sung des Land­gra­fen ein Rent­meis­ter, der auch den Vor­sitz im Land­ge­richt Bat­ten­berg inne­hat­te. Das Land­ge­richt der Vog­tei Elsoff gehör­te eben­falls dazu. 1506 wur­de die Graf­schaft Witt­gen­stein zum ers­ten Mal geteilt. Die Söh­ne des Gra­fen Eber­hard teil­ten sich die Herr­schaft und Regie­rung im Land. Der älte­re Sohn, Graf Wil­helm, erhielt die Stadt Laas­phe mit Schloss Witt­gen­stein und die Ämter Witt­gen­stein und Rich­stein. Alerts­hau­sen fiel als Teil der Vog­tei Elsoff eben­falls unter Graf Wil­helms Regierung.

Neuzeit

Als gro­ße Ver­än­de­rung stellt sich die im Jah­re 1534 durch die witt­gen­stei­ner Gra­fen durch­ge­führ­te Refor­ma­ti­on dar. Die Alerts­häu­ser Bevöl­ke­rung wech­sel­te vom katho­li­schen zum refor­mier­ten Glau­ben über. In die­ser Zeit, 1553, wird die Kapel­le zum ers­ten Mal urkund­lich erwähnt. Der ers­te Glo­cken­kauf fand 1647 statt.

Der Drei­ßig­jäh­ri­ge Krieg (16181648) zog Alerts­hau­sen in gro­ße Mit­lei­den­schaft. Ein­quar­tie­run­gen, Plün­de­run­gen sowie zwei Pest­epi­de­mien im Jah­re 1625 und 1636 raff­ten fast 2/​3 der Bevöl­ke­rung und Häu­ser hin. Am Ende die­ses Mas­sen­ster­bens bleibt fest­zu­hal­ten, dass Alerts­hau­sen nicht nur das am stärks­ten ent­völ­ker­te Dorf der Vog­tei, son­dern der gan­zen Graf­schaft Witt­gen­stein war.

Im Jahr 1629 kam es in Alerts­hau­sen zur Ver­ur­tei­lung einer Hexe. Die im Ort woh­nen­de Mar­ga­re­te von Alerts­hau­sen wur­de ver­haf­tet und auf Schloss Witt­gen­stein geköpft und ver­brannt. Ein Jahr spä­ter wur­de Mebes (Bar­tho­lo­mä­us) Dienst eben­falls ein Opfer der hei­li­gen Inqui­si­ti­on. Am 10. Juni 1630 wur­de Mebes Dienst in Alerts­hau­sen ver­haf­tet, nach Schloss Witt­gen­stein gebracht und in den Ker­ker gewor­fen. Am 11. Juni 1630 fand das ers­te Ver­hör statt. Die­se zogen sich bis zum 9. Juli 1630. An die­sem Tag wur­de er der Zau­be­rei schul­dig gespro­chen und auf dem Schei­ter­hau­fen verbrannt.

Dreißigjähriger Krieg

Die Schre­cken des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges erreich­ten Alerts­hau­sen 1622, also vier Jah­re nach sei­nem Aus­bruch. Die Zwangs­ab­ga­ben mit der Ein­quar­tie­rung katho­li­scher Trup­pen bis 1627 lie­ßen gan­ze Land­stri­che ver­ar­men, da nicht nur Quar­tier, son­dern auch für die Ver­pfle­gung und Sold auf­zu­kom­men war. Not und Elend waren all­ge­gen­wär­tig. Immer wie­der kam es zu Plün­de­run­gen soge­nann­ter strei­fen­der Par­tei­en“ aus dem kur­köl­ni­schen Raum.

Der Nach­bar­ort Diedens­hau­sen wur­de 1633 in Schutt und Asche gelegt. Um einem erneu­ten Ein­fall die­ser Ban­den zuvor­kom­men zu kön­nen, wur­den durch die Bevöl­ke­rung Wach­pos­ten auf Ber­gen und Bäu­men ein­ge­rich­tet. Die­se Pos­ten soll­ten die Bewoh­ner der ein­zel­nen Dör­fer früh­zei­tig war­nen, damit Vieh und Gut in Sicher­heit gebracht wer­den konn­ten. Die­ser Wach­dienst brach­te aber kei­nen nen­nens­wer­ten Erfolg, so dass die Band­en­tä­tig­keit aus dem köl­ni­schen Raum wei­ter fort­ge­setzt wurde.

1634 wur­den aus Alerts­hau­sen 15 Pfer­de, 80 ein­jäh­ri­ge Rin­der und 400 Scha­fe geraubt. Außer­dem wur­den auch Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­de sowie Beklei­dung ent­wen­det. Um sich die gestoh­le­nen Tie­re und Gegen­stän­de aus dem köl­ni­schen Besitz zurück­ho­len zu kön­nen, wand­ten sich die Alerts­häu­ser mit einer Bitt­schrift an den Gra­fen, da zwi­schen­zeit­lich eini­ge hes­si­sche Regi­men­ter zum Schut­ze der witt­gen­stein­schen Bevöl­ke­rung abge­stellt wor­den waren. Die Alerts­häu­ser waren gewillt, die Regi­men­ter zu beglei­ten, um die gestoh­le­nen Sachen zurückzuholen.

Die Jah­re zwi­schen 1634 und 1637 waren die schlimms­ten Jah­re für Alerts­hau­sen und der gesam­ten Regi­on. Haupt­ur­sa­che waren die Ein­quar­tie­rung kai­ser­li­cher und Darm­städ­ter Trup­pen. Die­se ver­an­lass­te die Alerts­häu­ser Bevöl­ke­rung, Haus und Hof zu ver­las­sen. Um leben zu kön­nen, zogen die feind­li­chen Trup­pen wei­ter nach Elsoff.

Die Bevöl­ke­rungs­zah­len gin­gen durch die­se Umstän­de, durch Hun­ger und Ver­trei­bung und eben­falls durch Pest­zei­ten (1624, 1636) dras­tisch zurück. In einem Unter­ta­nen­ver­zeich­nis von 1627 wur­den in Alerts­hau­sen 28 Häu­ser bewohnt. 1644 betrug ihre Zahl nur noch sie­ben bewohn­te, zwei leer­ste­hen­de und zwölf abge­brann­te. Die hohe Zahl abge­brann­ter Häu­ser ist ver­mut­lich durch einen Brand in der Zeit kurz vor 1644 bedingt. Dies ist aber nicht belegt. Wahr­schein­li­cher ist aber der Zusam­men­hang mit den schon genann­ten Überfällen.

Ab 1638 beru­hig­te sich das Leben im Ort all­mäh­lich. Auch für die Jah­re 1639 bis 1642 war Alerts­hau­sen frei von Ein­quar­tie­run­gen und Über­fäl­len. Den­noch muss­ten Abga­ben an Trup­pen­füh­rer bei­der Sei­ten geleis­tet wer­den. Trotz die­ser wei­ter­hin hohen finan­zi­el­len Belas­tun­gen erhol­ten sich das Land und die Viehbestände.

Im Jah­re 1645 kam es noch ein­mal zum Auf­lo­dern des Krie­ges. Grund dafür war die von der Land­grä­fin Ama­lie Eli­sa­beth von Hes­sen beab­sich­tig­te Rück­erobe­rung von Ober­hes­sen unter fran­zö­si­scher und schwe­di­scher Füh­rung, dem soge­nann­ten Hes­sen­krieg“. 1648 gin­gen beim Durch­zug in Alerts­hau­sen, Elsoff und Bed­del­hau­sen 44 Mal­ter Korn, sechs Mal­ter Gers­te, 54 Mal­ter Hafer, 27 Kühe, acht Rin­der, 145 Scha­fe, 44 Schwei­ne und zwei Käl­ber ver­lo­ren. Der schwe­di­sche Durch­marsch kos­te­te noch­mals 27 Mal­ter Korn, 67 Mal­ter Hafer, 15 Pfer­de, 50 Kühe, 43 Rin­der, 202 Scha­fe, 61 Schwei­ne und drei Kälber.

Bauernkrieg

Auf­grund der Zuge­hö­rig­keit zur Vog­tei Elsoff waren die Alerts­häu­ser nie Leib­ei­ge­ne. Auf­grund einer Bestim­mung des Gra­fen wur­de die Leib­ei­gen­schaft 1696 ein­ge­führt. Die­se wur­de aber von Alerts­hau­sen nicht aner­kannt und abge­lehnt. Von witt­gen­stei­ner Sei­te wur­de ver­sucht die Graf­schaft in eine Domä­ne umzu­wan­deln. Die­ses führ­te 1724 zur erneu­ten Ein­füh­rung der Leib­ei­gen­schaft. 1725 kam es zur Auf­leh­nung der Vog­tei­er“. Die­se gip­fel­te in einem Gefecht am 11. Okto­ber 1725. Fünf Elsof­fer, ein Alerts­häu­ser und ein Bed­del­häu­ser ver­lo­ren ihr Leben. Auch die Gegen­sei­te hat­te Ver­lus­te. Das Reichs­kam­mer­ge­richt sprach am 13. Okto­ber 1724 die Vog­tei der Rebel­li­on schul­dig. Die Vog­tei muss­te die in 28 Jah­ren nicht geleis­te­te Fron­ar­beit durch Zah­lung von 1.479.782 Reichs­ta­ler wie­der­gut­ma­chen. Auf­grund wei­te­rer Pro­zes­se brauch­te die­se hohe Schuld nicht getilgt wer­den. Ersatz­wei­se wur­de ein Dienst­geld eingeführt.

Allgemeine Ereignisse

Am 4. Okto­ber 1785 wur­de die end­gül­ti­ge Witt­gen­stein-hes­si­sche Zehnt­gren­ze mit 44 num­me­rier­ten Grenz­stei­nen ver­se­hen. 1801 wur­de die bau­fäl­lig gewor­de­ne Kapel­le abge­ris­sen. Am 24. Okto­ber 1802 konn­te das neu errich­te­te Got­tes­haus wie­der eröff­net wer­den. 1865 beginnt mit der Mutung der Gru­be Rein­hold eine kur­ze berg­män­ni­sche Peri­ode in Alerts­hau­sen. 1891 wur­den noch die Gru­ben Mit Gott gewagt und Freu­den­berg gemu­tet. 1874 wur­de der Krie­ger­ver­ein gegrün­det, der bis in die Zeit kurz nach dem Zwei­ten Welt­krieg aktiv bleibt. 1894 wur­de der Män­ner­ge­sang­ver­ein, der heu­te als gemisch­ter Chor auf­tritt, gegrün­det. Im Jah­re 1899 wur­de die Dorf­schu­le gebaut.

19181919 for­der­te die Spa­ni­sche Grip­pe in Alerts­hau­sen und dem Elsoff­tal zahl­rei­che Opfer. Das Elsoff­tal gehör­te zu den am stärks­ten betrof­fe­nen Gebie­ten im Regie­rungs­be­zirk Arnsberg.

Im Jah­re 1920 wur­de von der Gemein­de­ver­samm­lung beschlos­sen, das Alerts­hau­sen an das Strom­netz ange­schlos­sen wer­den soll­te. 1921 wur­de das Trans­for­ma­to­ren­haus gebaut. Die Kos­ten betru­gen 17.905,02 Mark. Im Herbst die­ses Jah­res leuch­te­ten die ers­ten Glüh­lam­pen in Alerts­hau­sen. Am 18. Juli 1923 folg­ten die Außengehöfte.

Die Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung mit Trink­was­ser gip­fel­te 1911 mit dem Bau der Was­ser­lei­tung. 1834 muss­te auf­grund einer Anwei­sung des Land­ra­tes eine Brand­wehr auf­ge­stellt wer­den. 1859 wur­de von der Fir­ma Grell in Wetz­lar eine Hand­druck­sprit­ze gekauft. Die­se ist noch heu­te funk­ti­ons­fä­hig. Da die Brand­wehr kaum orga­ni­siert war, wur­de 1934 die Frei­wil­li­ge Feu­er­wehr gegründet.

Gegenwart

Auf­grund des Sauer­lan­d/­Pa­der­born-Geset­zes vom 5. Novem­ber 1974 ver­lor Alerts­hau­sen sei­ne Selb­stän­dig­keit als Gemein­de und wur­de ein Stadt­teil von Bad Ber­le­burg. Das Gesetz trat am 1. Janu­ar 1975 in Kraft.

1967 wur­de der Hei­mat- und Ver­kehrs­ver­ein gegrün­det. Im Jah­re 1988 schloss sich die Dorf­ju­gend mit der Grün­dung des Bären­ver­eins zusammen.

In den Jah­ren 2002 und 2003 wur­de Alerts­hau­sen an die öffent­li­che Kana­li­sa­ti­on angeschlossen.

Einwohnerentwicklung

  • 1961: 334 Einwohner
  • 1970: 331 Einwohner
  • 1974: 338 Einwohner
  • 2002: 330 Einwohner
  • 2011: 284 Einwohner

Kirchliches Leben in Alertshausen

Die ers­te urkund­li­che Erwäh­nung einer Kapel­le zu Alerts­hau­sen datiert auf das Datum 23. März 1558, was dem Ver­zeich­nis der Rech­nun­gen von den Kir­chen im Amp­te Ruschein (Rich­stein) zu ent­neh­men ist. Die ers­te voll­stän­dig erhal­te­ne Kapel­len­rech­nung des Kapel­len­meis­ters von Alerts­hau­sen trägt das Jahr 1655.

Man weiß nicht genau wie oft in Alerts­hau­sen der Got­tes­dienst abge­hal­ten wur­de. Da der Elsof­fer Pfar­rer, wie heu­te auch noch, die Kapel­len­ge­mein­de Bed­del­hau­sen zu betreu­en hat­te, wird sich sei­ne Tätig­keit in Alerts­hau­sen auf einen Got­tes­dienst ein­mal im Monat beschränkt haben. Im Jahr 1669 fan­den aus Krank­heits­grün­den des Pfar­rers über­haupt kei­ne Got­tes­diens­te statt. Die­ses hat­te zur Fol­ge, dass die Kol­lek­te aus­blieb und kei­ne Almo­sen ver­teilt wer­den konn­ten. Seit die­ser Zeit wer­den in Alerts­hau­sen Abend­mahl­got­tes­diens­te durch­ge­führt. Belieb­te Ter­mi­ne waren Neu­jahr, Ostern und Pfings­ten und vor allem der 2. Weihnachtsfeiertag.

Der Fried­hof befand sich in Alerts­hau­sen bis 1871 direkt an der Kapel­le. Aus Platz­grün­den wur­de in die­sem Jahr der neue Fried­hof im Neu­ling“ eingeweiht.

Gro­ße Bedeu­tung für das kirch­li­che Leben in Alerts­hau­sen haben die Jah­re 1672 bis 1674. Es wur­de die Anschaf­fung einer Kir­chen­glo­cke beschlos­sen. Der Kauf der Glo­cke lief über einen jüdi­schen Kauf­mann zu Hal­len­berg, gegos­sen wur­de die Glo­cke in Fritz­lar. Da die Alerts­häu­ser nicht pünkt­lich zahl­ten, kam es in Hal­len­berg zu einem Gerichts­ter­min. Trotz aller Umstän­de konn­te die Glo­cke 1674 in einen extra dafür errich­ten Turm an der Kapel­le ein­ge­bracht werden.

Eine Alters­ver­sor­gung im Sin­ne wie wir sie heu­te ken­nen, gab es zu jener Zeit nicht. Das Amt der Armen­für­sor­ge war Auf­ga­be der Kapel­len­ge­mein­de. Finan­zi­el­le Grund­la­ge waren die Ein­nah­men wäh­rend des Got­tes­diens­tes in das Opfer­sä­ckel­chen. Die Ver­tei­lung der Almo­sen fiel auf­grund der gerin­gen Got­tes­diens­te zumeist sehr dürf­tig aus. Nutz­nie­ßer die­ser Almo­sen waren Wit­wen und Kran­ke. Die Gel­der wur­den bei auf­tre­ten­den Pro­ble­men wie Krank­hei­ten oder Brand­ka­ta­stro­phen spe­zi­ell an den ein­zel­nen verteilt.

Für die Jah­re 1709 bis 1712 sind in den Rech­nun­gen kei­ne Aus­ga­ben für Arme und Bedürf­ti­ge ver­zeich­net, ver­mut­lich weil grö­ße­re Repa­ra­tu­ren an der Kapel­le durch­ge­führt wer­den muss­ten. Die häu­figs­ten Arbei­ten, die an der Kapel­le voll­bracht wer­den muss­ten, waren die Pfle­ge der Kirch­hofs­mau­er und Aus­bes­se­rungs­ar­bei­ten am Kapel­len­dach. Der Lei­en­de­cker (Stein­de­cker) war der meist beschäf­tig­te Hand­wer­ker am Gebäu­de. 1802 muss­te die Kapel­le wegen Bau­fäl­lig­keit abge­ris­sen wer­den und durch einen Neu­bau ersetzt wer­den. Seit dem 18. Novem­ber 1983 wird die Kapel­le als ein­ge­tra­ge­nes Bau­denk­mal geführt.

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