Saßmannshausen

Höhe:376 m
Flä­che:6,52 km²
Ein­ge­mein­dung:1. Janu­ar 1975
Post­leit­zahl:57334
Vor­wahl:02754
Sta­tis­ti­sche Angeben

Saß­manns­hau­sen ist ein Stadt­teil von Bad Laas­phe im nord­rhein-west­fä­li­schen Kreis Siegen-Wittgenstein.

Geschichte

Der links im Tal der obe­ren Lahn lie­gen­de Ort wur­de erst­mals im Jah­re 1344 im Bicken’schen Mann­buch“, einem Lehns­re­gis­ter der adli­gen Fami­lie von Bicken, urkund­lich erwähnt.

In der Gemar­kung Sass­manns­hau­sen lag der Dorn­hof, ein Rit­ter­sitz, auf dem im 14. Jahr­hun­dert ein Zweig der Fami­lie von Achen­bach leb­te. Der Hof kam spä­ter an die Adels­fa­mi­lie Rump von der Wen­ne, von der kurz nach 1537 ein Zweig den Sitz selbst bezog, aus­bau­te und bewirt­schaf­te­te. Infol­ge der Über­schul­dung der Fami­lie muss­te die letz­te Besit­ze­rin, die Wit­we Anna Rump geb. Wre­de 1581 den Hof mit ihren Kin­dern ver­las­sen, und er gelang­te an die Gra­fen von Witt­gen­stein. Die Gebäu­de wur­den ver­kauft und der eigen­stän­di­ge Guts­be­trieb aufgelöst.

Bis zur kom­mu­na­len Neu­glie­de­rung in Nord­rhein-West­fa­len, die am 1. Janu­ar 1975 in Kraft trat, war Saß­manns­hau­sen eine selb­stän­di­ge Gemein­de im Kreis Witt­gen­stein. Ihre gerin­ge Grö­ße hängt auch mit den Eigen­tums­ver­hält­nis­sen in den frü­he­ren Graf­schaf­ten Sayn-Witt­gen­stein zusam­men. Die Bauern/​Landmänner und Hand­wer­ker ver­füg­ten in der Regel über erbei­ge­nen Besitz sowie kirch­li­che und herr­schaft­li­che Lehen, wel­che alle acht bis zehn Jah­re erneu­ert wer­den muss­ten. Erbei­ge­nes Land war in gerin­gem Umfang vor­han­den, oft reich­te jedoch die­ses Eigen­tum nicht zur Befrie­di­gung der grund­le­gen­den Bedürf­nis­se. So waren die Haus­män­ner“ gezwun­gen, abga­ben­träch­tig Lehens­ver­pflich­tun­gen ein­zu­ge­hen. Zudem waren sie zu Hand- und Spann­diens­ten für die Feu­dal­her­ren ver­pflich­tet, die zusam­men mit ande­ren Abga­ben zeit­wei­se um die 90 Pro­zent der Ein­nah­men betru­gen. Auch tru­gen die ver­gleichs­wei­se extre­men kli­ma­ti­schen Bedin­gun­gen (Frös­te im Juni und Sep­tem­ber gibt es auch heu­te noch) in den bei­den Graf­schaf­ten (Sayn-Witt­gen­stein-Hohen­stein und Sayn-Witt­gen­stein-Ber­le­burg) zu einer sys­te­ma­ti­schen und regel­mä­ßi­gen Not der Bevöl­ke­rung bei. Nicht zuletzt aus die­sem Grun­de ist das Witt­gen­stei­ner Land ein typi­sches“ Aus­wan­de­rungs­ge­biet. Nicht nur in den benach­bar­ten Gebie­ten der damals pro­spe­rie­ren­den Sie­ger– und Sauer­lan­de, son­dern ins­be­son­de­re auch in Über­see (USA, Bra­si­li­en) fin­den wir heu­te noch vie­le Nach­kom­men von Aus­wan­de­rern aus Witt­gen­stein. Nach Schät­zun­gen des bekann­ten Regio­nal­for­schers Prof. Dr. Wil­helm Hart­nack hat Witt­gen­stein zwi­schen 1750 und 1850 rund ein Drit­tel sei­ner Bevöl­ke­rung durch Aus­wan­de­rung“ ver­lo­ren – zwi­schen 12.000 und 15.000 Per­so­nen, die ihrer Hei­mat den Rücken kehr­ten (dies ent­spricht fast der heu­ti­gen Bevöl­ke­rungs­zahl der Stadt Bad Laasphe).

In alten Doku­men­ten fin­den sich ver­schie­de­ne Schreib­wei­sen: Saß­mans­hu­sin, Sahs­mans­hu­sen, Sachs­manns­hau­sen u. a. Um 1580 waren am Ort fünf Fami­li­en mit zusam­men etwa fünf­zig Per­so­nen ansäs­sig. 1584/​85 wur­de das alte Dorf auf Ver­fü­gung des gräf­li­chen Hau­ses Sayn-Witt­gen­stein-Witt­gen­stein in ein Hof­gut (Kammergut/​Domä­ne) umge­wan­delt, das der Ver­sor­gung des nahe gele­ge­nen Schlos­ses Witt­gen­stein dien­te. Um 1600 waren dort die Zehnt­scheu­nen, Braue­rei, Bren­ne­rei und ande­re Gewer­ke unter­ge­bracht. Das Hof­gut war bei­spiel­ge­bend für die Ein­rich­tung wei­te­rer herr­schaft­li­cher Hof­gü­ter in den Graf­schaf­ten Sayn-Witt­gen­stein-Witt­gen­stein (Hohen­stein) und Sayn-Witt­gen­stein-Ber­le­burg. Ein Zen­trum der feu­da­len Macht der Gra­fen (spä­ter Fürs­ten) Sayn-Witt­gen­stein, wo die erbun­ter­tä­ni­gen Bau­ern die gemes­se­nen und unge­mes­se­nen Diens­te“ zu leis­ten hatten.

Verschiedenes

Über­re­gio­na­le Bekannt­heit hat der Ort gewon­nen durch die so genann­te Butt­lar­sche Rot­te“, einer Grup­pie­rung um Eva von Butt­lar zur Zeit des radi­ka­len Pie­tis­mus in Deutsch­land sowie die sog. Zigeu­ner­ko­lo­nie“, die zwi­schen ca. 1740 und ca. 1910 von Sin­ti-Fami­li­en bewohnt wurde.

Bekannte Namensträger

Der Orts­na­me war prä­gend für den Fami­li­en­na­men, der ver­stärkt im süd­west­fä­li­schen Raum anzu­tref­fen ist. Aus­gangs­punkt für genea­lo­gi­sche For­schun­gen soll­ten daher die Kir­chen­bü­cher der evan­ge­lisch-refor­mier­ten Gemein­den Feu­din­gen, Erndte­brück und Bir­kel­bach sein, wo der Fami­li­en­na­me seit 1560/​1600 viel­fach nach­ge­wie­sen wer­den kann.

Die Namens­trä­ger in der sog. Nord­graf­schaft“ Sayn-Witt­gen­stein-Ber­le­burg haben nach bis­he­ri­ger Kennt­nis ihren Ursprung in der Süd­graf­schaft“ Sayn-Witt­gen­stein-Witt­gen­stein (Hohen­stein).

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