Friedrichshütte

Die Fried­richs­hüt­te im heu­ti­gen Stadt­ge­biet von Bad Laas­phe befin­det sich auf dem Katas­ter der ehe­ma­li­gen Gemein­de Kunst Witt­gen­stein. Es han­delt sich um eine Misch­be­bau­ung mit eini­gen Gewer­be­be­trie­ben, dem städ­ti­schen Bau­hof, einer gerin­gen Anzahl von Ein- und Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern sowie der DRK-Ret­tungs­wa­che Fried­richs­hüt­te, die im ehe­ma­li­gen Bahn­hof Fried­richs­hüt­te-Laas­phe ein­ge­rich­tet wurde.

Geschichte

Namens­ge­bend für den süd­öst­li­chen Orts­teil der Gemein­de Kunst Witt­gen­stein war die Ein­rich­tung eines Eisen­wer­kes im Jah­re 1799 durch den damals regie­ren­den Gra­fen und spä­te­ren Fürs­ten Fried­rich Carl zu Sayn-Witt­gen­stein-Hohen­stein (17661837). Jedoch ver­wei­sen Urkun­den über Vor­läu­fer die­ses Ver­hüt­tungs­be­trie­bes auf eine mehr als 500-jäh­ri­ge Geschich­te der Friedrichshütte.

Der auf glei­chem Are­al frü­her gele­ge­ne Laas­pher Ham­mer sowie Urkun­den über eine ehe­ma­li­ge Walk­müh­le bele­gen die wei­te­re vor­in­dus­tri­el­le Nut­zung des Ortes. Müh­le und Ham­mer wur­den durch die Was­ser­kraft der Lahn betrie­ben; ent­spre­chen­de Was­ser­weh­re zur Hebung des Fluss­bet­tes und Ablei­tungs­grä­ben an der Lahn in Höhe der frü­he­ren Was­ser­kunst sind teil­wei­se noch erhalten.

1799 ließ Graf Fried­rich Carl auf dem Betriebs­ge­län­de einen Hoch­ofen auf­stel­len. Aus eige­nen Gru­ben des Dill­ge­bie­tes wur­de die gewon­ne­nen Erze her­an­ge­schafft und mit der Holz­koh­le aus den Witt­gen­stei­ner Wäl­dern zu Roh­ei­sen ver­ar­bei­tet. Des Wei­te­ren stell­te man auch ers­te Guss­wa­ren her und begann mit der Pro­duk­ti­on eige­ner Herde.

Bereits 1830 zähl­te der Betrieb ca. 50 Arbei­ter, die mit der Her­stel­lung von Koch­töp­fen, Pflug­scha­ren, Ofen­plat­ten, Her­den und Wasch­kes­seln beschäf­tigt waren.

1854 wur­de die ers­te Dampf­ma­schi­ne ange­schafft, um sich unab­hän­gig von der Was­ser­kraft der Lahn zu machen. Um 1860 wur­den ers­te Kupol­öfen errich­tet, mit denen man dünn­wan­di­ge Guss­wa­ren her­stel­len konn­te. Die in der Fried­richs­hüt­te her­ge­stell­ten Öfen wur­den haupt­säch­lich im west­fä­li­schen Raum ver­trie­ben, der Absatz­markt wur­de dann um die Regio­nen Sach­sen und Thü­rin­gen erweitert.

1875 wur­den in der Fried­richs­hüt­te schon 112 Arbei­ter beschäf­tigt. Nach­dem man die Öfen zunächst mit hei­mi­scher Holz­koh­le zur Eisen­ver­hüt­tung beschick­te, stell­te man auf Stein­koh­le um, als die Eisen­bahn­stre­cke von Cöl­be nach Laas­phe (1883) und von Laas­phe bis nach Kreuz­tal ins Sie­ger­land (1889) ein­ge­rich­tet wur­de und damit Trans­por­te aus dem Ruhr­ge­biet mög­lich waren. Den­noch wur­de der ein­ge­rich­te­te Hoch­ofen der Fried­richs­hüt­te auf Dau­er unren­ta­bel, so dass er 1891 still­ge­legt wur­de. Nun­mehr wur­de der Betrieb aus­schließ­lich auf Eisen­ver­ar­bei­tung umgestellt.

Um 1900 wur­de das Eisen­werk Fried­richs­hüt­te groß­zü­gig erwei­tert. Dazu zähl­te die Über­nah­me der Beschlag­schlos­se­rei, die bis­her auf dem Fir­men­ge­län­de von dem Schlos­ser­meis­ter Mit­tel­mann betrie­ben wur­de. Dane­ben wur­de ein Putz­haus ein­ge­rich­tet, die Gie­ße­rei erwei­tert, das Maga­zin­ge­bäu­de erwei­tert und ein Email­lier­werk aufgebaut.

Für ca. 25 aus­wär­ti­ge Arbei­ter rich­te­te man einen Schlaf­saal in einem der Fir­men­ge­bäu­de ein.

Wäh­rend der bei­den Welt­krie­ge wur­de Rüs­tungs­ma­te­ri­al pro­du­ziert. In den ers­ten Jah­ren nach 1945 stell­te man zunächst Jau­che­fäs­ser, Bri­kett-Trä­ger, Was­ser­kar­ren und Groß­raum­öfen her. Nach der Wie­der­in­be­trieb­nah­me des Email­lier­wer­kes im Jah­re 1948 und der Gie­ße­rei im Jah­re 1949 kehr­te man zur Ofen­pro­duk­ti­on zurück. Öfen der Mar­ke Tel­lus wur­den noch zwei Jahr­zehn­te von der Fried­richs­hüt­te mit Erfolg ver­trie­ben. Ein wei­te­rer Ver­triebs­zweig war die Her­stel­lung von Kunst­guss. So wur­de die Fried­richs­hüt­te unter ande­rem mit der Her­stel­lung der vom Bild­hau­er Jean Spren­ger ent­wor­fe­nen Kunst­guss-Pla­ket­te zum 150-jäh­ri­gen Fir­men­ju­bi­lä­um der Fir­ma Krupp im Jahr 1961 beauftragt.

1965 muss­te das Werk sei­ne Pro­duk­ti­on vor­läu­fig ein­stel­len, 165 Arbei­ter ver­lo­ren ihren Arbeits­platz. Drei Jah­re spä­ter star­te­te man eine Wie­der­be­le­bung des Betrie­bes mit der Her­stel­lung von Guss­wa­ren bei einer Beleg­schaft von 45 Mit­ar­bei­tern. Die Fried­richs­hüt­te KG muss­te 1971 end­gül­tig den Betrieb ein­stel­len. Ehe­ma­li­ge Beschäf­tig­te der Fried­richs­hüt­te tref­fen sich noch jähr­lich zu einem Gedan­ken­aus­tausch in Bad Laasphe.

Beschäftigtenzahlen

  • 1830: 50 Arbeiter
  • 1856: 57 Arbeiter
  • 1875: 112 Arbeiter
  • 1900: 200 Arbeiter
  • 1914: ca. 50 Arbeiter
  • 1924: 200 Arbeiter
  • 1965: 165 Arbeiter
  • 1968: 45 Arbeiter

Besitzerfolge der Friedrichshütte

  • Fried­rich Carl Graf (ab 1804 Fürst) zu Sayn-Witt­gen­stein-Hohen­stein (17661837)
  • Lui­se Fürs­tin zu Sayn-Witt­gen­stein-Hohen­stein geb. Lan­gen­bach (17881864)
  • Carl Frei­herr von Witt­gen­stein (18091866)
  • Ber­ta Frei­frau von Witt­gen­stein (18181905), (Erben­ge­mein­schaft)
  • Albrecht Frei­herr von Witt­gen­stein (18501903)
  • Julie Frei­her­rin von Witt­gen­stein (18501911), (Erben­ge­mein­schaft)
  • Erich Frei­herr von Witt­gen­stein (18801914)
  • Fried­rich Carl Frei­herr von Witt­gen­stein (18871967)
  • Win­fried Frei­herr von Witt­gen­stein (19241974)

Wohnsitz der Barone von Wittgenstein

Im Jah­re 1845 begann der fürst­li­che Bau­meis­ter Gru­pe mit der Errich­tung eines vil­len­ähn­li­chen Wohn­hau­ses ober­halb der Hüt­te. Nach neun­jäh­ri­ger Bau­zeit zog die Fami­lie des Frei­herrn Carl von Witt­gen­stein, die bis dahin in einem Gebäu­de auf dem Betriebs­ge­län­de gewohnt hat­te, im Jah­re 1854 in den Neu­bau um, der nach dem Bau­herrn Carls­burg genannt wur­de. Die Vil­la dien­te über 120 Jah­re als Fami­li­en­sitz der Baro­ne von Wittgenstein.

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