Langewiese

Höhe:707 (680723) m
Flä­che:2,86 km²
Ein­woh­ner:372 (30. Jun. 2021)
Bevöl­ke­rungs­dich­te:130 Einwohner/​km²
Ein­ge­mein­dung:1. Janu­ar 1975
Post­leit­zahl:59955
Vor­wah­len:02981, 02758
Sta­tis­ti­sche Angaben

Lan­ge­wie­se ist ein Orts­teil von Win­ter­berg im Hoch­sauer­land­kreis, Nord­rhein-West­fa­len. Mit rund 370 Ein­woh­nern ist Lan­ge­wie­se das ein­woh­ner­reichs­te Höhen­dorf“ der Stadt.

Geographische Lage

Lan­ge­wie­se liegt auf dem Haupt­kamm des Rot­haar­ge­bir­ges, über den die Rhein-Weser-Was­ser­schei­de ver­läuft, etwas süd­west­lich des Kah­len Astens. Es befin­det sich etwa 6,7 km (Luft­li­nie) süd­west­lich der Win­ter­ber­ger Innen­stadt zwi­schen den Ober­läu­fen der nahe dem Asten­gip­fel ent­sprin­gen­den Len­ne (Nord­wes­ten) und der dem Süd­ost­hang des Bergs ent­flie­ßen­den Ode­born (Süd­os­ten) auf etwa 680 bis 723 m ü. NN. Die benach­bar­ten Höhen­dör­fer“ sind Neu­as­ten­berg im Nord­os­ten und Hohe­leye im Südwesten.

Durch Lan­ge­wie­se führt, von Hohe­leye kom­mend, in Rich­tung Neu­as­ten­berg und Win­ter­berg ein gemein­sa­mer Abschnitt der Bun­des­stra­ßen 236 und 480, der abschnitts­wei­se Teil der Feri­en­stra­ße Hoch­sauer­land-Höhen­stra­ße ist. Das Dorf ist zum Groß­teil vom Land­schafts­schutz­ge­biet Grün­land­hän­ge und ‑pla­teaus um Altas­ten­berg /​Neu­as­ten­berg /​Lan­ge­wie­se /​Hohe­leye /​Moll­sei­fen umgeben.

Geschichte

Die Geschich­te des Dor­fes reicht zurück ins 18. Jahr­hun­dert und ist eng mit der Geschich­te Win­ter­bergs und Bad Ber­le­burgs ver­knüpft. So liegt Lan­ge­wie­se genau auf der Gren­ze des ehe­ma­li­gen katho­li­schen Erz­bis­tums Köln und des pro­tes­tan­ti­schen Witt­gen­stein, somit ist dort bis heu­te das ober­hes­si­sche Witt­gen­stei­ner Platt behei­ma­tet. Bis zum 1. Janu­ar 1975 gehör­te Lan­ge­wie­se zum Amt Ber­le­burg im Kreis Witt­gen­stein und wur­de mit dem Sauer­land-Pader­born-Gesetz in die Stadt Win­ter­berg im Hoch­sauer­land­kreis ein­ge­glie­dert Es ist daher einer der weni­gen evan­ge­lisch gepräg­ten Orte im Hochsauerlandkreis.

Schon vor der ers­ten Jahr­tau­send­wen­de prall­ten hier die Volks­stäm­me der Sach­sen und Fran­ken in hef­ti­gen Kämp­fen zusam­men und führ­ten blu­ti­ge Krie­ge. Jahr­hun­der­te vor der Besied­lung war die­ses Grenz­ge­biet bereits Zank­ap­fel zwi­schen den Gra­fen der Frei­graf­schaft Witt­gen­stein-Ber­le­burg und den Herr­schern des Her­zog­tums West­fa­len, dem Erz­bi­schof von Köln.

Der Wild- und Forst­bann führ­te Ende des 16. Jahr­hun­derts zum Win­ter­ber­ger Streit“. Regel­mä­ßig wur­den die wittgenstein’schen Zoll­stö­cke und Schlag­bäu­me von den Win­ter­ber­gern zer­schla­gen. Durch einen poli­ti­schen Schach­zug ließ der dama­li­ge Graf Casi­mir zu Sayn-Witt­gen­stein in Ber­le­burg ab dem Jahr 1713 den hohen Nor­den“ mit den Ort­schaf­ten Neu­as­ten­berg, Lan­ge­wie­se, Hohe­leye und Moll­sei­fen besiedeln.

Der Name Lan­ge­wie­se ist ent­stan­den aus einer Flur­be­zeich­nung für eine im Wald gele­ge­ne, schma­le und lan­ge Lich­tung, die mit Gras bewach­sen war (lan­ge Wie­se). Durch die­se Wittgenstein’schen Neu­an­sied­lun­gen gewann der Streit an Bedeu­tung. Abschlie­ßen­de Ver­hand­lun­gen führ­ten 1783 zur Bei­le­gung des Win­ter­ber­ger Streits. Ursprüng­lich spricht man den gan­zen Nord­zip­fel des Rot­haar­ge­bir­ges als west­fä­lisch an. Hier haben wir aber den ein­zi­gen Fall, in dem die Was­ser­schei­de (Len­ne und Ode­born) sekun­där und erst in jün­ge­rer Zeit grenz­bil­dend gewirkt hat. Auch die mit­tel– und nie­der­deut­sche Sprach­gren­ze (hier ein Isoglos­sen­bün­del aus Uer­din­ger, Ben­ra­ther und dat-das-Linie) zeigt den Grenz­ver­lauf. Die kon­fes­sio­nel­le Spal­tung in eine katho­li­sche und evan­ge­li­sche Hälf­te, wel­che sich mit der mund­art­li­chen Unter­schei­dung deckt, gibt eine wei­te­re Stüt­ze für die unter­schied­li­che Her­kunft der Ansied­ler. So wehr­ten sich Katho­li­ken im Jah­re 1756 nach­drück­lich gegen die Ein­schrei­bung ihrer Kin­der beim pro­tes­tan­ti­schen Leh­rer. Bis nach dem Zwei­ten Welt­krieg gab es im ver­gleichs­wei­se klei­nen Ort Lan­ge­wie­se stets eine evan­ge­li­sche und eine katho­li­sche Schule.

Der Über­lie­fe­rung nach wur­de die Sied­lung durch einen zwi­schen Win­ter­berg und Bad Ber­le­burg pen­deln­den Schmied gegrün­det. Belegt ist die Grün­dung Anfang des 18. Jahr­hun­derts durch die Witt­gen­stei­ner Gra­fen, wel­che Witt­gen­stei­ner und Sauer­län­der Bau­ern und Hand­wer­ker hier ansiedelten.

Ein bekann­ter Ort in Lan­ge­wie­se ist das soge­nann­te Bier­loch“: Hier roll­te Erzäh­lun­gen nach ein Bier­fass der napo­leo­ni­schen Trup­pen von einer Pfer­de­kar­re ins Tal, das spä­ter von einem Hir­ten unver­sehrt auf­ge­fun­den wurde.

Im März 1945 wur­de eine Nach­rich­ten­ein­heit der Wehr­macht von alli­ier­ten Jagd­bom­bern ange­grif­fen. Bei den Bom­ben­ab­wür­fen gin­gen die Schu­le, in wel­cher die Nach­rich­ten­ein­heit lag, und zwei wei­te­re Gebäu­de in Flam­men auf.

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